Schlafstörungen

Ist Ihre Schlafdauer oder –qualität seit längerem unbefriedigend und Sie sind in Ihren Alltagsaktivitäten hierdurch beeinträchtigt?
Schlafstörungen können durch nahezu jede organische Erkrankung verursacht werden. Um entsprechende Ursachen ausschließen zu können, die gezielt behandelt werden können, ist eine organmedizinische Abklärung immer indiziert.

Was wir für Sie tun können:
Ein ausführliches Anamnesegespräch und körperliche Untersuchung, Messungen bei Ihnen Zuhause, gegebenenfalls auch Laboruntersuchungen werden dabei helfen Ihre Störung zu differenzieren und individuelle Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Falsch oder unbehandelt erwachsen aus Insomnien Risiken und Gefahren im täglichen Leben wie Unfälle im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz. Zudem erhöhen sie langfristig das Risiko für Herzinfarkte, Bluthochdruck und Diabetes sowie das spätere Auftreten depressiver Episoden.

Viele Schlafstörungen bleiben auch dann fortbestehen wenn die auslösenden Faktoren längst vorüber sind. Es bleibt die Angst vor der Schlaflosigkeit, die eigene Person wird in Bezug auf den Schlaf unter Druck gesetzt, der Mensch bleibt in diesem Teufelskreis gefangen. Falls keine körperliche Erkrankung als Ursache vorliegt, könnten Sie an einer sog. Psychophysiologischen Insomnie leiden. Hierbei handelt es sich nicht um eine psychische Störung, eher um erlerntes Fehlverhalten.

Viele Betroffene können den Beginn ihrer Schlafstörung recht genau benennen. Der Auslöser kann z.B. ein Krankheitsgeschehen innerhalb der Familie gewesen sein, das zu häufigen nächtlichen Schlafunterbrechungen führte oder eine akute Stresssituation im Beruf. Der anfängliche Auslöser ist längst passé und doch liegt der/die Betroffene nachts wach und wälzt Gedanken hin und her. Die Versuche wieder einzuschlafen werden immer angestrengter, ein Teufelskreis beginnt. Nach schlechten Nächten wird der Druck auf die folgende Nacht immer stärker, das Einschlafen gelingt immer weniger, Tagesschläfrigkeit stellt sich ein und die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Fast 20 Millionen Bundesbürger leiden unter Schlafstörungen. Gemäß einer Umfrage der DAK in 2017 hat inzwischen jeder zehnte Erwerbstätige Probleme beim Ein- und/oder Durchschlafen. Eine medikamentöse Behandlung erscheint einfach und bequem, kann nach eingehender Prüfung der individuellen Situation  auch indiziert sein. Zugleich eignet sie sich in der Regel nur zur Kurzzeitbehandlung und beseitigt nicht die Ursache, packt also das Problem nicht bei der Wurzel.

Unter den vielen Faktoren die den Schlaf beeinflussen ist Entspannung ein ganz Zentraler. In unserer heutigen hochtechnisierten Arbeitswelt, mit nahezu durchgehender Erreichbarkeit über Smartphone und soziale Medien ist echte Entspannung keine Selbstverständlichkeit. Bei hoher Grundanspannung und abendlicher Erwartungshaltung -der Schlaf müsse nun kommen, da am nächsten Tag wieder Leistung gefordert wird- ist an Einschlafen jedoch nicht zu denken.

Das abendliche Abschalten will gelernt sein. Hier kann der/die Betroffene als erste Maßnahme selbst aktiv werden und mindestens eine Verbesserung seiner Beschwerden erreichen oder wieder ganz zu erholsamem Schlaf zurückfinden. Bewährte Verhaltensmaßnahmen die zu erholsamem Schlaf verhelfen, werden als Schlafhygiene bezeichnet.

Schlafhygienemaßnahmen:

  • Morgens zur gleichen Zeit aufstehen, unabhängig von der Dauer des Nachtschlafs, auch am Wochenende (max. Abweichung 30 min)
  • Reduzieren Sie zunächst Ihre Schlafdauer
  • Nach dem Aufstehen möglichst ca. 30 min helles Tageslicht, evtl. Tageslichtlampe (min.10 000 Lux). Dies hellt die Stimmung auf und fördert einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Nachts bei Aufwachen hingegen kein helles Licht, da es als „Wachmacher“ fungiert und den Schlaf-Wach-Rhythmus verstellen kann
  • Tagsüber Entspannungspausen einlegen, ab und zu innehalten
  • Maximal 20 min Mittagsruhe, um Schlafdruck für den Abend zu erzeugen kein Mittagsschlaf!
  • Vermeiden Sie TV-Schlaf! Bereits kurzes Einnicken vor dem Fernseher kann den Schlafdruck für Stunden nehmen. TV-Schlaf gilt als „Schlafkiller“ Nr.1 der Deutschen
  • Installieren Sie in Handy und Bildschirm einen Blaulichtfilter der sich abends zuschaltet
  • Vor dem Zubettgehen:
    • 4-8 h zuvor keinen Kaffee/schwarzen Tee/ Cola trinken
    • ab ca. 18 Uhr keinen Alkohol oder schwere Mahlzeiten zu sich nehmen, Kleinigkeiten wie ein Stück Schokolade, Apfel oder heiße Milch mit Honig bevor Sie sich schlafen legen, können hingegen hilfreich sein
    • ab ca. 18 Uhr nicht mehr rauchen
    • Starke körperliche Anstrengung am Abend, z.B. Fitnessstudio oder Leistungssport wirken aufputschend und sollten vermieden werden. Gleichwohl sind regelmäßige körperliche Aktivität, wie z.B. wandern, joggen, walken usw., sowie Hobbys die Körper und Geist positiv fordern unbedingt zu empfehlen.
  • Schlafumgebung angenehm und schlaffördernd gestalten, d.h. kühle Zimmertemperatur, abdunkeln, Ruhe
  • Nur bei ausgeprägter Müdigkeit zu Bett gehen
  • Das Bett sollte nur zum Schlafen und zum Sex verwendet werden
  • Keine langen Wachphasen im Bett. Bei Wachphasen aufstehen, sich ca 20-30 min mit ruhigen, unaufgeregten Arbeiten beschäftigen z.B. rätseln, Zeitung des Vortags lesen, bügeln
  • Nachts nichts essen wenn Sie aufwachen, Ihr Körper gewöhnt sich sehr schnell daran und wird Sie wecken, nur um Sie ans essen zu erinnern
  • Vermeiden Sie nachts den Blick auf den Wecker, am besten drehen Sie die Uhr von sich weg, nächtliche Kontrolle der Uhrzeit führt zu Anspannung
  • Legen sie Block und Stift auf dem Nachttisch bereit. Falls Sie nachts erwachen und über Dinge des kommenden Tages grübeln, notieren Sie Stichpunkte für den nächsten Morgen und entspannen Sie wieder
  • Entwickeln Sie ein regelmäßiges, angenehmes Einschlafritual, z.B. entspannte Einschlafmusik, progressive Muskelentspannung, Tagebucheintrag, das Zubettgehritual sollte nicht länger als ca. 30 min dauern
  • Entspannungsgedanken im Bett, z.B. eine Phantasiereise: Vorstellung einer schönen Erinnerung, wie bspw., eines Spaziergangs am Meer in Echtzeit. Stellen Sie sich vor was Sie hören, sehen, riechen

Sehr empfehlenswert sind Schlafseminare, wie sie z.B. vom Pfalzklinikum Klingenmünster angeboten werden. Hier werden in kleineren Gruppen weiter- und tiefergehende Informationen über den Schlaf sowie Verhaltensschulungen vermittelt. Weitere Informationen erhalten Sie auch unter der sehr empfehlenswerten Seite www.schlafgestoert.de.
Unterstützung bei Analyse und Anpassung des eigenen Verhaltens können englischsprechende Betroffene auch über die Smartphone-app: CBT-i Coach erlangen.

Falls diese Tips nicht helfen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Schlafmediziner.

Weitere Ursachen für gestörten Nachtschlaf:

Eigenständige organische Erkranungen bzw. mit dem Schlaf assoziierte Störungen

  • Schlafbezogene Atmungsstörungen: z.B.
    • Schlafapnoe,
    • Upper-Airway-Resistance-Syndrom
    • zentrale Schlafatemstörungen
  • Schlafbezogene Bewegungsstörungnen, z.B.:
  • Zirkadiane Rhythmusstörungen, Wach/Schlaf-Rhythmusstörungen z.B.
  • Parasomnien,
    gekennzeichnet durch auffällige Verhaltensweisen die den erholsamen Schlaf unterbrechen, dabei kommen überwiegend Aufwachstörungen wie z.B. Schlafwandeln, Schlaftrunkenheit, Pavor Nocturnus vor. Am häufigsten treten diese Störungen im Kindersalter auf und verlieren sich bis zum Erwachsenenalter in der Regel. Medikamentöse Behandlung ist meist nicht erforderlich, jedoch müssen aufgrund der erhöhten Unfallgefahr Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden.
    • Schlaftrunkenheit
    • Schlafwandeln
    • Pavor nocturnus („Nachtangst“)
    • Schlafstörungen durch rhythmische Bewegung
    • Einschlafzuckungen
    • Sprechen im Schlaf
    • Albträume
    • Schlaflähmung
    • Verhaltensstörung im REM-Schlaf
    • Angeborenes zentrales Hypoventilationssyndrom
  • Insomnie bei Psychischen/psychiatrischen Erkrankungen (Depressionen, Angststörungen)
  • Insomnie bei Medikamnten- oder Substanzmißbrauch
  • Insomnie bei organischer Erkrankung, der Schlaf kann negativ beeinflusst werden durch:
  • Häufige Erkrankungen die den Schlaf negativ beeinflussen können, z.B.:
    • Herz-Kreislauf-Störungen
    • Atemwegserkrankungen
    • Magen-Darm-Erkrankungen (z.B. gastroösophagealer Reflux, sog. Sodbrennen)
    • Schilddrüsenerkrankungen
    • Schmerzen
    • Hormonelle Störungen
    • Nierenerkrankungen
    • Degenerative Erkrankungen (Parkinson, Demenz)
    • uvm.
  • Hypersomnien zentralen Ursprungs, hierunter v.a. Narkolepsie:
    Narkolepsie ist eine seltene Schlafstörung, die durch starke Tagesmüdigkeit und plötzliche unfreiwillige Schlafattacken gekennzeichnet ist. Menschen mit Narkolepsie haben es, ungeachtet der äußeren Umstände, oft schwer über einen längeren Zeitraum wach zu bleiben. Narkolepsie kann zu schweren Störungen im Alltag führen. Manchmal kann die Narkolepsie mit einem plötzlichen Verlust des Muskeltonus (Kataplexie) einhergehen, der durch starke Emotionen ausgelöst werden kann. Narkolepsie, die mit Kataplexie auftritt, wird als Typ-1-Narkolepsie bezeichnet. Narkolepsie, die ohne Kataplexie auftritt, wird als Typ-2-Narkolepsie bezeichnet. Narkolepsie ist eine chronische Erkrankung, für die es keine Heilung gibt. Allerdings können Medikamente und Änderungen des Lebensstils den Betroffenen helfen, die Symptome zu bewältigen. Unterstützung durch Familie, Freunde, Arbeitgeber, Lehrer – kann helfen, mit der Narkolepsie umzugehen.

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